Der Begriff Schneedruck (alternativ: Schneelast) bezeichnet die Krafteinwirkung von ruhenden Schnee- oder Eismassen, die sich auf natürliche Weise angesammelt haben. Schneedruck ist eine bedeutende Gefahr in schneereichen Wintern, die besonders Dächer und Dachkonstruktionen bedroht. Die Last der Schnee- oder Eismassen kann zur Beschädigung oder sogar zum Einsturz führen.

Das Gewicht des Schnees ist abhängig vom Wassergehalt und dem Vereisungsgrad. Je dichter die Schnee- bzw. Eisschicht, desto schwerer die Last:

  • 10 Zentimeter frisch gefallener Pulverschnee wiegt etwa 10 Kilogramm pro Quadratmeter
  • 10 Zentimeter Naschschnee wiegt bis 40 Kilogramm pro Quadratmeter
  • 10 Zentimeter dicke Eisschicht wiegt bis zu 90 Kilogramm pro Quadratmeter
  • Zum Vergleich = 10 Zentimeter hoch stehendes Wasser wiegt 100 Kilogramm pro Quadratmeter

Kater Sebastian unter Schneedruck

Kater Sebastian unter Schneedruck

Wie gefährdet ein Dach durch Schneedruck ist, hängt aber auch von seiner Form, dem Neigungswinkel und möglichen Aufbauten ab. Auf Dächern mit starkem Neigungswinkel kommt es beispielsweise eher zu einer sogenannten Dachlawine als zur Beschädigung des Gebäudes. Flachdächer sind bei starkem Schneefall schon eher durch die Last bedroht. Besonders Dachkonstruktionen über großen Hallengebäuden sind stark gefährdet und sollten nach starken Schneefällen rechtzeitig geräumt werden.

Wird ein Dach durch Schneedruck beschädigt oder stürzt es ein, dann leistet die Elementarschadenversicherung. Eigentümer sollten jedoch beachten: Eine Elementarschadenversicherung ist lediglich ein Zusatzbaustein der Wohngebäudeversicherung. Wurde dieser Baustein bei Vertragsabschluss nicht hinzugefügt, besteht gegen Schneedruckschäden auch kein Versicherungsschutz.

Winter 2006 – Schneedruck mit fatalen Folgen

Beispielhaft für die tragischen Folgen von zu hohem Schneedruck steht der Winter im Frühjahr 2006. Am 2. Januar bringen die angehäuften Schnee- und Eismassen am dem Dach der Eislaufhalle in Bad Reichenhall die Konstruktion während der Geschäftszeiten zum Einsturz. 15 Menschen kommen ums Leben, 34 weitere werden verletzt. Noch im selben Monat ereignet sich am 28. Januar ein ganz ähnliches Unglück im polnischen Kattowitz. Das Dach einer Messehalle stürzt unter den aufgetürmten Schneemassen zusammen und begräbt hunderte Menschen unter sich. Die traurige Bilanz des Tages: 65 Tote und 170 Verletzte.

In den darauffolgenden Wochen brechen in vielen höhergelegenen Siedlungen Deutschlands und Österreichs immer wieder Dachstühle unter der Schneelast zusammen. Feuerwehr, Bergrettung und unzählige Freiwillige beteiligen sich an der Räumung der Dächer. Als Meteorologen drohende Wetterumschwünge voraussagen, kommt sogar das Militär unterstützend zum Einsatz.

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