Hagel ist ein Niederschlag in Form kleiner Eisklumpen. Die Größe der sogenannten Hagelkörner reicht von 0,5 cm Durchmesser, bei kleineren Körnern spricht der Experte von Graupel oder Griesel, bis hin zu Rekordgrößen von 10 Zentimetern und mehr. Hagelgewitter treten hauptsächlich in der warmen Jahreszeit und vor allem in Gebieten der mittleren Breitengrade auf.

Die Grundvoraussetzung für Hagel ist ein Gewitter. Denn nur in Gewitterwolken finden sich die starken Aufwinde, durch die Hagelkörner überhaupt entstehen können. Wenn kleine Regentropfen aus den niedrigeren Schichten einer Gewitterwolke durch die Winde in Höhen von über 12.000 Meter gerissen werden, gefrieren Sie zu kleinen Eiskörnern. In einer bestimmten Höhe lassen die Aufwinde nach und die Eiskörner fallen wieder hinab. Während des Falls durch die tieferen und sehr feuchten Wolkenschichten sammelt sich neue Feuchtigkeit an den Körnern. Weil weiter unten in der Gewitterwolke wieder starke Aufwinde herrschen, wird das Korn mit angelagerten Wassertropfen erneut nach oben gerissen, wo die Tropfen wieder anfrieren. Dieser Vorgang wiederholt sich solange, bis die Aufwinde der Gewitterwolke nicht mehr stark genug sind, um das Eiskorn am Sturz aus der Wolke zu hindern. Es fällt als Hagel zu Boden.

Kater Sebastian im Hagelschauer

Kater Sebastian im Hagelschauer

Daher gilt: Je stärker die Aufwinde in einer Gewitterwolke, desto größer die Hagelkörner. Aufgrund der beschränkten Möglichkeiten die Windgeschwindigkeiten in einer Gewitterwolke zu messen, findet in der Praxis allerdings in der Regel die umgekehrte Schlussfolgerung Anwendung. Von der Größe der Hagelkörner wird auf die Windgeschwindigkeiten im Inneren der Gewitterwolke geschlossen.
 
Das Gewicht eines Hagelkorns liegt zwischen 0,1 Gramm und mehr als 500 Gramm. Rekordhalter ist ein knapp 1 Kilogramm schweres Hagelkorn, das im April 1986 in Bangladesh vermessen wurde. Zu Schäden an Autos, Glasscheiben und Zelten kommt es ab einem Durchmesser von etwa 2 cm. Hagelkörner dieser Größe prallen mit einer Geschwindigkeit von etwa 70 km/h auf dem Boden auf. Außergewöhnlich große Hagelkörner erreichen Geschwindigkeiten von über 200 km/h.
 
Glücklicherweise gehen Hagelschauer in stark lokal begrenzten Streifen nieder, den sogenannten Hagelschneisen, und halten in der Regel nur wenige Minuten an. Das reicht jedoch, um in betroffenen Gebieten abhängig von der Größe der Hagelkörner teils verheerende Schäden anzurichten. Schwere Hagelereignisse zählen in Deutschland zu den mit Abstand teuersten Naturkatastrophen.
 
Beispielhaft dafür sind die Hagelniederschläge von:
 

München (1984)

Als Folge einer Hitzewelle kommt es im Juli 1984 in ganz Deutschland zu starken Unwettern. Als sich dunkle Wolken über der bayerischen Hauptstadt zusammenziehen und der Himmel plötzlich in grünen Farben schimmert, ahnen die Münchner nichts Gutes. Eine kleine Superzelle bringt eine Zerstörung ungeahnten Ausmaßes, als tennisballgroße Hagelkörner auf Menschen, Autos und Häuser stürzen. Hunderte Personen werden zum Teil schwer verletzt, 70.000 Gebäude beschädigt und mehr als 200.000 Fahrzeuge in einem bis dahin nicht bekanntem Ausmaß zerstört. Auch Flugzeuge, Züge und landwirtschaftliche Flächen fielen dem Jahrhunderthagel zum Opfer. Nach nur 20 Minuten hinterlässt das Unwetter in München einen Gesamtschaden in Höhe von 1,5 Milliarden Euro.
 

Reutlingen (2013)

Der bis dato teuerste Hagel der deutschen Geschichte geht am 28. Juli 2013 über mehreren Ortschaften in Baden-Württemberg nieder. Besonders schwer trifft es die Region des Südschwarzwaldes, darunter die Großstadt Reutlingen. Das Unwetter zieht eine bis zu 15 Kilometer breite Schneise der Verwüstung. Bis zu 8 cm große Hagelkörner stürzen zur Erde, durchschlagen Dächer, Fassaden, Solaranlagen und Fenster. Der Gesamtschaden beläuft sich auf 3,6 Milliarden Euro, 2,8 Milliarden davon sind glücklicherweise versichert. Für die deutsche Versicherungswirtschaft ist es der größte Schaden durch ein einzelnes Unwetterereignis.

 
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