Der weiße Tod, wie eine Lawine umgangssprachlich auch genannt wird, ist der Alptraum eines jeden Ski- oder Snowboardsportlers. Von einer Lawine ist immer dann die Rede, wenn sich große Massen Schnee und/oder Eis von Berghängen lösen und in Richtung Tal stürzen. Mit Geschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometern stürzen Lawinen hinab, reißen Geröll mit sich und entwurzeln Bäume.

Menschen, die in eine Lawine geraten, sind Gefahren wie Ersticken, Verletzungen durch Aufprall auf Felsen oder Bäumen, Absturz oder den oft tonnenschweren Druck der Schneemassen aufgesetzt. Die regionalen Bergwächter bieten Wintersportlern mittlerweile eine umfangreiche Aufklärung zu Lawinengefahren an. Darüber hinaus verfügt heutzutage nahezu jedes Land mit ausgewiesenen Wintersportgebieten über einen Lawinenwarndienst, der tägliche Einschätzungen der Lawinengefahr für einzelne Bergregionen abgibt.

Dennoch kommen allein in den Alpen jährlich etwa hundert Menschen bei Lawinenunglücken ums Leben. Die Ursachen sind vor allem Leichtsinn und eine falsche Einschätzung der Gefahrenlage. So belegen Untersuchungen des Eidgenössischen Instituts für Schnee- und Lawinenforschung der Schweiz, dass 90 Prozent der Verschütteten ihre Lawine selbst auslösen.

Wie entsteht eine Lawine?

Faktoren für den Abgang einer Lawine sind unter anderem die Menge des Neuschnees, Neigung des Geländes, die Bodenbeschaffenheit (Fels, Erde, Gras etc.), die Struktur der Schneeschichten und nicht zuletzt der Temperaturwechsel. Die Entstehung einer Lawine ist jedoch stark abhängig von der Art der Lawine, da es sich mitunter um sehr unterschiedliche Prozesse handelt. Deshalb erfolgt auch die Gefahrenbeurteilung durch die Lawinenwarndienste je nach Lawinenart unterschiedlich.

  • Schneebrettlawinen
    Wenn sich Schnee über längere Zeit an einem Berghang sammelt, dann verschmilzt dieser nicht einfach zu einer großen Schicht, sondern es bilden sich je nach Witterungslage unterschiedlich große und dichte Schneeschichten. Werden beispielsweise zwei relativ feste Schneeschichten durch eine Schicht aus lockerem Schnee getrennt, kann es bei Druckausübung (z.B. durch Skifahrer) an der Oberfläche leicht zum Abrutschen der oberen Schicht kommen. Die Bezeichnung „Schneebrett“ lehnt sich an das Erscheinungsbild der sich lösenden Schneemassen an. Die obere Schneeschicht reißt auf und bewegt sich „wie ein Brett“ auf dem Hang in Richtung Tal. Im Verlauf des Abgangs kann sich eine Schneebrettlawine zu einer Staublawine entwickeln. Der Gefahr durch Schneebrettlawinen wird unter anderem durch gezielte Sprengungen in gefährdeten Gebieten vorgebeugt.
  • Lockerschneelawinen
    Wenn sich an Berghängen mit starker Neigung lockerer Schnee nach einem punktförmigen Anriss in Bewegung setzt und die abgleitenden Schneemassen beim Abgang durch eine Kettenreaktion immer weiter anwachsen, wird von einer Lockerschneelawine gesprochen. Diese Lawinenart tritt ab etwa 40 Grad Neigung auf.
  • Staublawinen
    Der große und deutlich gefährlichere Bruder der Lockerschneelawine. Staublawinen entwickeln sich aus Schneebrett oder Lockerschneelawinen und reißen große Schneemassen den Berghang hinunter. Damit einher gehen gewaltige Luftdruckschwankungen, die ähnlich einem Wirbelsturm einen starken Druck im vorderen und einen Sog im hinteren Bereich der Lawine zur Folge haben. Die Folge: Bäume knicken um, Hausdächer werden abgedeckt und Fenster eingedrückt.
  • Eislawinen
    Als Folge von Gletscherbewegungen brechen Teile der Eismassen ab und stürzen als Brocken den Hang hinab. Die herabstürzenden Eisbrocken werden bei Aufprällen in immer feinere Schneepartikel zerschlagen und münden letztendlich in einer Fließlawine.
  • Fließlawinen
    Eine berechenbare Lawinenart, wenn schmelzende Schneemassen bei Tauwetter die Haftung am Berghang verlieren und den Berg hinabrutschen. Die abrutschenden Schneemassen sind teilweise so gewaltig, dass sie alles mit sich reißen und den Berghang vollkommen kahl zurücklassen.
Kater Sebastian und der Lawinenhund

Kater Sebastian und der Lawinenhund

Schutz vor Lawinen

Information und Weiterbildung sind der sicherste Schutz vor Lawinenunglücken für Wintersportler. Allerdings kann es auch an Berghängen mit niedriger Warnstufe zu Lawinen kommen. Dann können Rucksäcke mit sogenannten Lawinenairbags das Leben retten. Die großen Kissenflügel füllen sich gleich einer Schwimmweste in Sekundenschnelle mit Luft und geben dem Verunglückten in der Lawine auftrieb, damit er nicht unter den Schneemassen begraben wird. Darüber hinaus gehören Peilsender für viele Wintersportler mittlerweile zur Standardausrüstung. So werden sie im Notfall schneller gefunden.

Natürlichen Schutz vor Lawinen bieten bewaldete Berghänge, die großflächige Lawinenanrisse und die Bildung von Gleitschichten in der Schneedecke erschweren. Vor Lawinen, die oberhalb der bewaldeten Fläche losbrechen bietet der Wald hingegen keinen Schutz. Große Lawinen können Bäume entwurzeln und ganze Schneisen in die Waldfläche schlagen.

Einige Berghänge werden durch künstliche Stützkonstruktionen vor Lawinen geschützt. Dabei wird der Hang durch Dämme in kleine Flächen unterteilt, so dass erst gar keine großen Massen in Bewegung kommen können. Kleine Lawinen werden durch die Dämme gebremst oder in bestimmte Richtungen gelenkt.

Die schwersten Lawinenunglücke

20. September 2002: Nach einem Gletscherabbruch am Berg Kazbek in der russischen Region Nordossetien, bahnt sich eine Lawine mit mehr als 20 Millionen Tonnen Schnee und Eis den Weg ins Tal. 150 Menschen kommen ums Leben, nachdem mehrere Dörfer unter den Massen begraben werden. Ein Filmteam, das sich gerade für Dreharbeiten am Berg aufhält, fällt ebenfalls den Schneemassen zum Opfer.

23. Feburar 1999: Österreich erlebt seine verheerendste Lawinenkatastrophe mit 38 Todesopfern. Teile der Ortschaft Galtür in Tirol werden unter einer Lawine begraben. Die Wetterlage ist so schlecht, dass die Betroffenen lange Zeit ohne Hilfe von außerhalb auskommen müssen. Der Dorfarzt und einige Krankenschwestern richten ein Notlazarett in der Sporthalle ein. Als das Wetter sich bessert, beginnt eine der umfangreichsten Hubschrauberrettungseinsätze der Geschichte. Neben dem Österreichischen Bundesheer beteiligen sich die Bundeswehr, der Bundesgrenzschutz, die US-Armee, die Französische und die Schweizer Luftwaffe sowie einige private Firmen mit insgesamt über 70 Hubschraubern. Über einen Zeitraum von fünf Tagen werden 18.406 Personen und über 270 Tonnen Fracht befördert.

1991: In der türkischen Provinz Bingöl verwüstet eine Lawine gleich mehrere Ortschaften und fordert 200 Menschenleben.

April 1970: Auf dem Plateau d’Assy in den Savoyer Alpen (Frankreich) sterben 74 Menschen in einer Lawine – darunter 56 Kinder.

11. Janaur 1962: Gewaltige Schneemassen lösen sich am Huascarán, dem höchsten Berg von Peru. Eine Stadt wird zerstört, weitere Orte werden von einer Flutwelle verwüstet, die durch in einen Fluss gefallene Schneemassen hervorgerufen wird. Nach ungesicherten Quellen sterben zwischen 4.000 und 20.000 Menschen. Das Ereignis ist das schlimmste jemals von Schnee verursachte Unglück der Weltgeschichte.

11. Januar 1954: Eine Lawine begräbt den Ort Blons (heute Vorarlberg). 118 Menschen werden verschüttet. Die Rettungsmannschaften werden neun Stunden später von einer zweiten Lawine überrascht. Insgesamt sterben 55 Menschen.

Dezember 1916: Mehrere tausend Soldaten sterben durch Lawinen während des 1. Weltkriegs bei Gefechten zwischen Österreich und Italien. Bei den Kämpfen werden gezielt Berghänge bombardiert, um Lawinen auszulösen und Truppen zu verschütten.

 

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Quellen:
Illustrationen © Mark Bardsley Mark Bardsley Illustrations
Lawinen: Planet Wissen
Schnee von heute – Risiko von morgen: BR Wissen
Deadliest avalanches in history: Unofficial Networks
Die größten Lawinen-Unglücke : RP online

 

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