Welche Lebensmittel brauche ich wirklich?

Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass es nicht darum geht, Alarm zu schlagen und Katastrophen heraufzubeschwören. Einen Vorrat für Notfälle anzulegen ist schlicht vernünftig und wird auch im aktuellen Zivilschutzkonzept der Bundesregierung empfohlen. Zwar betreibt auch die Bundesrepublik selbst 150 Lagerstätten im ganzen Land als Nahrungsreserve mit Vorräten von Getreide, Reis, Hülsenfrüchten und Kondensmilch. Doch möchte man im Ernstfall auf eine Zuteilung daraus warten müssen?

Auf dem Portal ernaehrungsvorsorge.de hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die wichtigsten Informationen übersichtlich zusammengestellt.

Sie finden hier zum Beispiel eine Vorratstabelle für eine Person und 14 Tage sowie einen Vorratskalkulator, um die Personenzahl und Tage selbst zu wählen. Natürlich bietet eine solche Liste nur eine Orientierungshilfe. Man muss sich nicht sklavisch an die genannten Sorten und Mengen halten. So können reine Fruchtsäfte (keine Fruchtsaftersatzgetränke) zum Beispiel auch einen Teil des genannten Obstes ersetzen. Sie sind aber in der Regel nicht sehr lange haltbar.

Überhaupt spielt die Haltbarkeit nicht nur für den Ernstfall, sondern auch aus praktischen Gründen für die Erneuerung der Vorräte eine wesentliche Rolle. Vollkornbrot müssten Sie alle paar Tage ersetzen oder zumindest einfrieren. Knäckebrot hingegen ist gut lagerfähig und hat zudem einen höheren Energiegehalt.

Nicht in den Tabellen aufgeführt sind Fertiggerichte, Konserven, die berühmten Hartkekse, Salz, Zucker etc. Diese Dinge können nach Belieben ergänzt werden, sollten die anderen Grundnahrungsmittel aber nicht ersetzen.

Zu den letztgenannten, Salz und Zucker:
Wählen Sie ein gutes Meersalz mit Jod für Ihren Vorrat und ersetzen Sie Zucker durch Honig. Honig im Glas zieht keine Schädlinge an und ist jahrelang haltbar. Wenn der Honig irgendwann im Glas Kristalle bildet, kann ein warmes Wasserbad dies wieder rückgängig machen.

Notfallvorsorge - Wasser

Damit kommen wir zum Elementaren: Wasser

Sie trinken kein Wasser, sondern nur Kaffee, Bier, Cola oder sonstiges? Abgesehen davon, dass all dies nichts anderes als aromatisiertes Wasser ist – es geht hier um Vorsorge für Notfälle. Da wird man sicher auf den ein oder anderen Geschmackszusatz verzichten können.

Ein Mensch kann etwa drei Wochen ohne Nahrung auskommen, aber maximal vier Tage ohne Flüssigkeit!

Wasser ist das wichtigste Lebensmittel für Ihren Vorrat, zudem preiswert und nahezu unbegrenzt haltbar. Auch wenn auf den Flaschen aus dem Supermarkt ein Mindesthaltbarkeitsdatum aufgedruckt ist – ein stilles Mineralwasser lagerte für Millionen Jahre unter der Erde und wird nicht einfach schlecht, weil es jetzt in einer Flasche lagert. Damit auch mikroskopisch kleine Verunreinigungen vom Abfüll-Vorgang das Wasser nicht verderben, sollte es allerdings dunkel gelagert werden.
Das gilt im Übrigen für alle in diesem Ratgeber genannten Lebensmittel.

Damit Sie das Wasser nicht nur trinken, sondern auch trockene Speisen wie Reis, Nudeln oder Kartoffeln damit zubereiten können, sollten Sie 2 Liter pro Person und Tag veranschlagen.

Kartoffeln lassen sich bekanntlich für Monate einlagern, Nudeln problemlos für mehrere Jahre. Besonders interessant für die Lagerung ist aber auch der Reis. Insbesondere brauner Reis.
Er enthält eine Menge wichtiger Nährstoffe, ist sehr gut lagerfähig und dabei preisgünstig.

An dieser Stelle ein wichtiger Hinweis:
Reis, Nudeln, Kartoffelpüree, Zucker und ähnliche Waren sind besonders anfällig für den Befall mit Schädlingen, die sich mit ihrer winzigen Größe oft unbemerkt durch Kartonverpackungen und auch die darin befindlichen Kunststoffbeutel beißen und dann in Ihren Vorräten eine ausgiebige Party feiern können.
Diese Artikel müssen also vor der Einlagerung genau überprüft und dann in sichere und absolut dicht schließende Gefäße umgepackt werden. Doch darauf gehe im Teil „Lagerung und Kosten“ dieses Ratgebers noch genauer ein.

Notfallvorsorge - Trockenfleisch

Auch Trockenfleisch (vorzugsweise Rind oder Pute) eignet sich sehr gut zur langfristigen Lagerung. Zusätzlich zum Entzug der Flüssigkeit wird es in der Regel gesalzen und damit noch haltbarer. Es enthält viel Protein und Eiweiß und kann ohne Kochen und ohne weitere Zutaten verzehrt werden.
Sie sind Vegetarier / Veganer und lehnen Trockenfleisch ab? Naja, wenn das Tofu nach ein paar Monaten im Dunkeln leuchtet denken Sie vielleicht anders darüber.

Abschließend sei davor gewarnt, sich bei speziellen „Survival-Shops“ im Internet mit Lebensmitteln einzudecken. Ganz davon abgesehen, dass diese meist gleich den Weltuntergang oder doch zumindest eine Zombie-Apokalypse herbeibeten um möglichst viel Zeug zu verkaufen – alle oben genannten Waren kaufen Sie am besten dort, wo Sie immer einkaufen.

Denn einerseits müssen Sie die Lebensmittel vor Verfall ganz normal verbrauchen und ersetzen. Sie sollten daher nicht ab sofort Ihre Lebens- und Essgewohnheiten ändern müssen.
Andererseits sind die Artikel aus den einschlägigen Onlineshops bei gleicher Nährstoffmenge unverhältnismäßig teurer. Und was nützt die zum Teil angepriesene Haltbarkeit für 15 Jahre, wenn Sie es dann wegwerfen müssen, weil es nicht schmeckt.
 

Auf welche Nährstoffe muss ich achten?

Einige Punkte sind oben bereits genannt. Darüber hinaus müssen Sie sich keine Gedanken machen. Wenn Sie die Lebensmittel einlagern, die Sie sonst auch verbrauchen, wird es Ihnen im Notfall auch an nichts mangeln. Spezialprodukte mit besonderen Nährstoffkonzentrationen oder hochdosierten Vitaminen sind unnötig teuer und manche durch die Überdosierung sogar eher gesundheitsschädlich.

Natürlich müssen eventuelle Unverträglichkeiten bei einzelnen Mitgliedern Ihres Haushalts berücksichtigt werden oder gegebenenfalls auch diätetische Lebensmittel eingeplant werden.

Und vergessen Sie nicht ihren Hund – sofern Sie einen haben – oder andere Haustiere. Futterkonserven und Trockenfutter sind meist auch sehr lange haltbar. Ich möchte im Notfall auch nicht all meine Lebensmittel mit Kater Sebastian teilen müssen.
 
Notfallvorsorge - Konserven

Für wie lange muss ich vorsorgen?

Die Bundesregierung und andere seriöse Stellen empfehlen, in jedem Haushalt einen Vorrat für etwa 14 Tage vorzuhalten. Leben Sie in einer sehr abgelegenen Region oder ist Ihr Wohnort durch Naturgefahren besonders gefährdet? Dann darf es gerne auch etwas mehr sein.

Bedenken Sie hierbei auch: Jeder sollte einen Vorrat anlegen, nicht jeder tut es auch. Hätten Sie selbst keinen Vorrat oder Ihre Lagerstelle wäre vernichtet, wären Sie froh, wenn ein Freund oder Nachbar etwas mehr zurückgelegt hätte und Ihnen helfen könnte. Anders herum werden Sie vielleicht mit Ihren Vorrat auch das Leben anderer retten können.

Legen Sie jedoch nicht mehr Vorrat an, als Sie regulär verbrauchen, bevor die Lebensmittel verdorben sind. So kann ein gleichmäßiger Austausch der Waren stattfinden und es entstehen keine Kosten außer der erstmaligen Anschaffung.

 
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