In den Jahren von 1998 bis 2012 hat der Mensch enorme Mengen an Treibhausgasen produziert und sich auch sonst nicht gerade in Zurückhaltung geübt. Doch ausgerechnet der zuvor prognostizierte Anstieg der globalen Erwärmung hielt sich in dieser Zeit auffallend zurück. Es schien als mache der Klimawandel eine Pause oder die Prognosen und die ihnen zugrundeliegenden Klimamodelle seien schlicht falsch. Wasser auf die Mühlen all jener, die das ganze Thema ohnehin als „Klimahysterie“ zu diskreditieren suchten.

Klimawandel BarometerDie Jahre 2014 bis 2016 jedoch brachen alle globalen Temperaturrekorde seit Beginn der Aufzeichnungen 1880 und waren jeweils das wärmste Jahr ever.
Lange bemühte sich die Forschung vergeblich darum, diese Pause zu erklären oder auch nachträglich eine Herleitung auf mathematischem Weg zu finden.
Die Erklärung fand sich nun rückblickend nach Ergebnissen von Forschern von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, die nun im Fachmagazin Nature veröffentlicht wurden.
Demzufolge sind die Klimamodelle keineswegs falsch, es seien jedoch unterschiedliche Daten und Zeiträume betrachtet worden. Dieses Phänomen macht lediglich deutlich, dass die Klimamodelle nicht für kurzfristige Prognosen konzipiert waren, sondern langfristige Entwicklungen aufzeigen.

Werden die Simulationen über größere Zeiträume angesetzt und nicht nur auf einzelne Messreihen wie z.B. die Lufttemperatur beschränkt, ist keine Unterbrechung, keine „Pause“ mehr erkennbar.
So waren in einzelnen Berechnungen zum Beispiel die Oberflächentemperaturen der Ozeane nicht berücksichtigt, es wurden Faktoren wie Sonnenaktivität oder der Feinstaub von Vulkanausbrüchen außer Acht gelassen. Auch andere kurzzeitige Effekte wie die El Niño Southern Oscillation können die Vorhersagen verfälscht haben.
Überdies ist nicht einmal sicher, dass sich in den betreffenden Jahren die bodennahen Temperaturen kaum verändert haben, denn die Temperaturen der Arktis waren in den Messungen kaum berücksichtigt. Die von der Weltwetterorganisation WMO im März in Genf veröffentlichten Daten zeigen besonders hier dramatische Veränderungen: Auf dem Gipfel der jährlichen Gefrierperiode habe es in der Arktis Tage mit Temperaturen nahe 0 Grad gegeben.

Christopher Hedemann vom Max-Planck-Institut für Meteorologie vergleicht die früheren Ergebnisse mit einem Würfelspiel: Bei nur wenigen Würfen könnte man mehrfach hintereinander dieselbe Zahl würfeln, doch je länger man fortfährt, desto mehr gleichen sich die Zahlen einem realistischen Mittelwert an.

Aufheizung - globale DurchschnittstemperaturMojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel (Geomar) ergänzt: „Mehr als 90 Prozent der Wärme, die durch den Anstieg der Treibhausgase während der vergangenen 40 Jahre im System verblieben ist, sind von den Ozeanen aufgenommen worden. Betrachtet man den Wärmeinhalt des Weltozeans, dann gibt es die Atempause so gut wie nicht.“ Und: „Ein Klimaforscher wundert sich nicht darüber, dass die Erderwärmung mal schneller und mal weniger schnell verläuft.“

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Quellen / Anmerkungen