Stürme sind seit jeher ein fester Bestandteil dieser Welt – vom lauen Lüftchen bis zum verheerenden Zyklon. Mit der zunehmenden Besiedlung von gefährdeten Gebieten ist auch die Zahl der Menschen gestiegen, die potenziell durch große Stürme und ihre Auswirkungen bedroht werden. Moderne Technik hilft uns zwar Entstehung und Verlauf vorherzusagen, verhindern lassen sich verheerende Ereignisse wie Hurricanes, Taifune oder Zyklone allerdings nicht. Hinzu kommen die Auswirkungen des Klimawandels, welche die Entstehung extremer Unwetter zusätzlich begünstigen. Besonders in den ärmeren Regionen der Welt, die weniger in den Schutz vor Naturgefahren investieren können, fordern Wirbelstürme deutlich mehr Todesopfer als beispielsweise in den USA.

Um das verhängnisvolle Zerstörungspotenzial großer Stürme zu betrachten, müssen wir nicht weit zurückblicken. Allein in diesem Jahr haben Stürme eindrucksvoll bewiesen, welche Kraft in ihnen steckt. Als Xavier kürzlich über Deutschland hinwegfegt, legt das Sturmtief mit Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h den Bahnverkehr lahm, pustet Wahlplakate mit der Aufschrift „Sturmfest“ durch die Straßen, knickt zahlreiche Bäume um und kostet tragischerweise sieben Menschen das Leben. Und doch ist Xavier im Vergleich zu seinen internationalen Verwandten ein Sturm in den Kinderschuhen.

Stärkster atlantischer Wirbelsturm seit Beginn der Aufzeichnungen

Deutlich mehr „Eindruck“ hinterlassen in diesem Jahr Vertreter der atlantischen Hurricanesaison. Der Hurricane Irma verwüstet im September einen großen Teil der karibischen Inseln und verewigt sich mit Rekordwerten in den Geschichtsbüchern. Nie zuvor hält ein tropischer Wirbelsturm so lang Spitzenwindgeschwindigkeiten von knapp 300 Stundenkilometern aufrecht – nämlich 37 Stunden. Bisheriger Rekordhalter ist der Taifun Haiyan mit 24 Stunden, der im Jahr 2013 die Philippinen trifft. Irma ist damit der stärkste atlantische Wirbelsturm seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1898. Und auch allgemein bringt die Hurricanesaison 2017 neue Rekorde hervor: So sind am 9. September mit Irma, Jose und Katia erstmals drei Hurricanes gleichzeitig aktiv, die allesamt mindestens in Kategorie 2 der Saffir-Simpson-Hurricane-Skala gelistet sind. Das Schadensausmaß der jüngsten Hurricanesaison lässt sich noch nicht abschließend beziffern, doch nach ersten Schätzungen könnte 2017 zum teuersten Naturkatastrophenjahr für die Versicherungsbranche werden. Und dabei ist die Saison für tropische Wirbelstürme noch gar nicht vorüber, bis Ende November muss mit weiteren Hurricanes gerechnet werden.

Katrina bleibt vorerst teuerster Sturm der Geschichte

Hurricane Katrina trifft im August 2005 auf die Ostküste der USA. Der tropische Wirbelsturm erreicht mit Spitzenwindgeschwindigkeiten von 280 km/h zeitweise die höchste Kategorie der Saffir-Simpson-Hurricane-Skala (Stufe 5). Katrina richtet an der Golfküste der USA in den Bundesstaaten Florida, Louisiana, Mississippi, Alabama und Georgia gewaltige Schäden in einer Rekordhöhe von rund 108 Milliarden US-Dollar an. Damit zählt Hurrikan Katrina bis heute zu den teuersten Naturkatastrophen überhaupt. Weil die USA als Industriestaat aber eine rasche und effektive Katastrophenhilfe organisieren, verlieren während der Katastrophe vergleichsweise wenige Menschen ihr Leben (etwa 1.800). Allerdings sind die Existenzen von Millionen Menschen zerstört und so leiden vor allem Anwohner der schwer verwüsteten Stadt New Orleans bis heute unter den Folgen des Jahrhundertsturms.

2.200 Kilometer Durchmesser

Der wohl größte Sturm seit Beginn der Aufzeichnungen entstand im Oktober 1979 im nordwestlichen Pazifik. Bis heute hält der Supertaifun Tip die Bestmarken für den weltweit niedrigsten Luftdruck im Auge eines tropischen Wirbelsturms mit 870 Hektopascal sowie als größter je dokumentierter Wirbelsturm mit 2200 Kilometer Durchmesser. Tip verursacht schwere Überflutungen in ganz Japan und versenkt zahlreiche Schiffe im Nordwestpazifik. Allein der niedrige Luftdruck im Zentrum des Sturms hebt den Meeresspiegel im betroffenen Gebiet um mehr als einen Meter an. Der Supertaifun erreicht glücklicherweise nie das Festland. 86 Menschen sterben als der Sturm die japanische Insel Honshū streift.

Wenn wir allerdings die schwersten Stürme weltweit betrachten, dürfen nicht nur Windgeschwindigkeiten, Luftdruck und Schadenzahlen eine Rolle spielen. Denn Wirbelstürme im Atlantik und im Golf von Mexiko richten aus einem ganz einfachen Grund höhere Schäden als Stürme im Rest der Welt an: die betroffenen Küstengebiete gehören zur USA, einem der reichsten Länder der Welt. Selbstverständlich ist das Sachschadenpotenzial dort deutlich höher als beispielsweise in den Entwicklungs- und Schwellenländern, die an den Pazifik oder den Indischen Ozean grenzen. Traurigerweise führen eben diese Länder die Statistiken in einer anderen, weit erschreckenderen Kategorie an, der Zahl der Todesopfer.

Der tödlichste Sturm aller Zeiten

Mai 2008: Zyklon Nargis trifft mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 220 Stundenkilometern und begleitet von einer Sturmflut sowie starken Niederschlägen (50 Liter pro Quadratmeter und Stunde) auf die Küste Myanmars (Burmas). Die Auswirkungen sind verheerend. Viele Siedlungsgebiete liegen nur ein oder zwei Meter über dem Meeresspiegel. Was der Sturm nicht fortreißt, verschwindet in den Fluten. Hunderttausende Menschen werden über Nacht obdachlos. Schlimmer als die Verwüstung ist nur der Umgang der Regierung mit der Katastrophe. Das Militär-Regime des Landes blockiert wochenlang internationale Hilfe. Die Mächtigen des Landes wollen den Großteil der Hilfsgelder für sich behalten. Katastrophenhelfer und Hilfsgüter werden an den Grenzen zurückgehalten. Epidemien breiten sich im Land aus. Ohne sauberes Trinkwasser, Nahrung und notwendige medizinische Versorgung sterben tausende Notleidende. Als endlich internationale Hilfsorganisationen in die Katastrophengebiete gelangen, fahren die Helfer nach eigenen Schilderungen durch eine Landschaft aus Leichen von Tieren und Menschen. In einem der ärmsten Länder der Welt sterben an den Folgen von Zyklon Nargis und der verachtenswerten Gier einer rücksichtslos korrupten Regierung mehr als 130.000 Menschen.

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Quellen / Anmerkungen
MunichRe: “Titel”
National Hurricane Center: http://www.nhc.noaa.gov/
New York Times: “Titel”
Video: Youtube / Reigarw comparisons
Titelbild: ymphotos/shutterstock.com