Das Jahr 2017 kommt Versicherer weltweit teuer zu stehen. Wie nach den verheerenden Hurrikan-Ereignissen Harvey, Irma und Maria bereits befürchtet, klettern die Schadenzahlen des vergangenen Jahres in rekordverdächtige Höhen. Nach einer Schätzung des Schweizer Rückversicherers Swiss Re belaufen sich die versicherten Schäden auf 136 Milliarden Dollar. Nur ein Bruchteil der Schäden (5 Milliarden Dollar) wurde durch Menschenhand verursacht, während in Folge von Naturkatastrophen 131 Milliarden Dollar Schaden entstanden.

Davon gehen mindestens 93 Milliarden Dollar auf das Konto der Hurrikan-Saison 2017. Am schwersten traf es dabei die Vereinigten Staaten, von der Küste Texas bis nach West-Florida und zu den karibischen Inseln. Aufgrund der großflächigen Verwüstung und Zerstörung der Infrastruktur gibt dauert vollständige Bewertung der verursachten Schäden noch immer an. Abseits der tropischen Wirbelstürme verursachten eine Reihe von Waldbränden in Kalifornien versicherte Schäden von mehr als 7 Milliarden Dollar. Weitere Schäden in Milliardenhöhe entstanden durch gravierende Erdbeben in Mexiko sowie durch die Auswirkungen des Zyklons Debbie in Australien.

Damit ist 2017 das drittteuerste Schadenjahr seit dem Beginn der datenliefernden Sigma-Schadenstatistik im Jahr 1970. Kostenintensiver waren für die weltweite Versicherungsbranche nur das Erdbebenjahr 2011 und das Jahr des Rekord-Hurrikans Katrina 2005. Wie außergewöhnlich schlecht die Schadenbilanz des vergangenen Jahres ausfällt, zeigt auch ein Blick in die Statistik der vergangenen Jahre. Im Vergleich zum Vorjahr 2016 (65 Milliarden Dollar versicherte Schäden) stiegen die versicherten Schäden um ganze 133 Prozent. Der Abstand zur durchschnittlichen Schadenhöhe der vergangenen zehn Jahre (58 Mil.) ist sogar noch größer.

Unterdurchschnittliches Schadenjahr in Deutschland

Jährlicher Schadenaufwand in der Sachversicherung

Während vor allem die amerikanische Golfregion schwer unter Naturkatastrophen leiden musste, ist Deutschland im Jahr 2017 vergleichsweise glimpflich davon gekommen. Mit lediglich 2 Milliarden Euro versicherten Sachschäden fällt das Schadenjahr unterdurchschnittlich aus. Große Naturkatastrophen blieben in der Bundesrepublik ganz aus und starke Unwetter traten nur regional begrenzt auf. Schwere Unwetter (z.B. „Paul“ und „Rasmund“) sorgten im Juni und Juli für sintflutartige Regenfälle in Berlin, Brandenburg und Niedersachsen. Dabei fiel in einigen Gebieten bis zu 200 Liter Regen pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden. Zum Vergleich: Das ist mehr als ein Viertel des durchschnittlich jährlichen Niederschlags. Die Sommer-Unwetter verursachten versicherte Schäden in Höhe von etwa 600 Millionen Euro. Im Herbst fegten dann die Sturmtiefs „Xavier“ (Oktober) und „Herwart“ (November) über das Land und hinterließen versicherte Schäden in Höhe von 400 bis 450 Millionen Euro.

Die extremsten Starkregen in Deutschland

Laut dem Rückversicherer Munich Re nimmt die Zahl der besonders kostenintensiven Naturkatastrophen in jüngster Vergangenheit merkbar zu. So habe es vor 2005 kein Jahr gegeben, in dem die Versicherungswirtschaft auch nur annähernd dreistellige Milliardenbeträge aufwenden musste. In den letzten 13 Jahren betrugen die Kosten hingegen gleich drei Mal mehr als 100 Milliarden Dollar. Das liege unter anderem auch daran, dass sich immer mehr Menschen gegen Elementargefahren versichern würden.

Dennoch besteht in vielen Teilen der Welt noch immer eine chronische Unterversicherung. Vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern, wo die Menschen nur wenig verdienen, ist ein Versicherungsschutz noch viel zu selten. Doch gerade dort schlägt die Natur meist mit aller Härte zu und vernichtet bei Erdbeben, schweren Stürmen und ähnlichen Katastrophen ganze Existenzen. In Südasien dauerte die Monsunzeit im vergangen Jahr knapp vier Wochen länger als üblich. Weitflächige Überschwemmungen waren die Folge. In einigen indischen Provinzen und Teilen Nepals standen vorübergehend bis zu drei Viertel des Landes unter Wasser. Lediglich 8 Prozent der Schäden wurde durch Versicherungen reguliert.

NOAA - Globale Wetteranomalien in 2017

Ein erfreuliches Ergebnis aus der Bilanz der Naturkatastrophen des vergangenen Jahres ist der Rückgang von Todesfällen. Zwar waren es noch immer 10.000 Menschen, die 2017 bei Stürmen, Erdbeben, Überschwemmungen und Waldbränden ums Leben kamen, allerdings sind die Zahlen seit Jahren rückläufig. Das liegt laut Experten vor allem daran, dass mittlerweile auch in Entwicklungsländern die Prävention gegen Naturkatastrophen vorangetrieben wird. Einige internationale Hilfsorganisationen wie UNICEF & Co. sind seit Jahren bemüht, Frühwarnsysteme für die Bevölkerung in besonders gefährdeten Regionen zu installieren.

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Quellen / Anmerkungen

Schadenschätzungen 2017: Swiss Re
Drittteuerstes Jahr aller Zeiten: VersicherungsJournal
Rekordjahr 2017: Handelsblatt
Teuerstes Jahr der Geschichte für Versicherungen: Süddeutsche Zeitung
Infografiken: GDV / NOAA
Video: NASA