Immer häufiger in Deutschland: So gefährlich sind Starkregen und Sturzfluten

Regen, Regen, Regen und noch mehr Regen. Wenn Sie sich in diesem Jahr neue Gummistiefel zugelegt haben, dann haben Sie Ihr Geld auf jeden Fall gut investiert. Das Sommerwetter 2017 war für uns Deutsche nicht nur deprimierend, sondern hat auch noch Millionenschäden hinterlassen. In Teilen Norddeutschlands fielen Ende Juli innerhalb von 24 Stunden pro Quadratmeter bis zu 200 Liter Wasser vom Himmel. Damit Sie diese Zahl einordnen können: Das ist weit mehr als doppelt so viel wie sonst in einem ganzen Monat. Solche Wassermengen können weder im Boden versickern, noch über die Kanalisation abgeführt werden. Straßen und Grundstücke überfluten, Keller laufen voll. Die Schäden können beträchtlich sein und Sie im schlimmsten Fall in den finanziellen Ruin treiben.
Allein im Jahr 2013 haben Überschwemmungen durch Hochwasser, Starkregen und Sturzfluten Schäden in Höhe von 10 Milliarden Euro verursacht. Das Fatale daran: lediglich 1,8 Milliarden Euro davon konnten von Versicherungen ausgeglichen werden. Zurecht werden Sie sich jetzt fragen: Warum? Lediglich 27 Prozent der Haushalte waren im Jahr 2013 durch eine Zusatzversicherung gegen Elementarschäden abgesichert. Noch immer nimmt die Zahl nur langsam zu, 2017 sind es knapp 40 Prozent. Dabei sind laut Angaben des Gesamtverbandes Deutscher Versicherer über 98 Prozent der Haushalte ohne Probleme gegen Elementarschäden versicherbar. Sogar als Mieter können Sie Ihren persönlichen Haushalt durch eine zusätzliche Elementarschadendeckung absichern.

Die unterschätzte Gefahr

Kater Sebastian im Starkregen

Kater Sebastian im Starkregen

Unwetter mit hohem Schadenspotenzial sind längst keine Ausnahme mehr. Die Extreme nehmen zu, nicht zuletzt durch die globale Klimaerwärmung. Auch Starkregen wird dadurch begünstigt, denn warme Luft nimmt mehr Feuchtigkeit auf und gibt diese im Umkehr natürlich auch wieder ab. Die Zahl schadenrelevanter Naturereignisse hat sich seit 1970 verdreifacht, Tendenz weiter steigend. Mittlerweile ist Starkregen bundesweit für die Hälfte aller Überschwemmungsschäden verantwortlich. Das Problem: die wenigsten Menschen sind sich der Gefahr bewusst.

Hand aufs Herz, haben Sie Ihr Haus gegen Überschwemmungsschäden gesichert? Die Mehrheit der Deutschen nicht. Dabei können starkregenbedingte Überschwemmungen jeden treffen.
Bestes Beispiel dafür: Münster im Juli 2014. Innerhalb von sieben Stunden fielen dort bis zu 290 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Insgesamt schüttete der Starkregen 40 Millionen Kubikmeter Wasser auf die Stadt. Damit Sie diese Zahlen in Relation setzen können: an diesem einem Abend regnete es in Münster so viel wie sonst im ganzen Sommer. Kanäle und Wasserläufe waren innerhalb von Minuten überfüllt. In der Folge stieg der Wasserpegel in den Straßen und flutete die Häuser. Im Erdgeschoss vieler Häuser stand das Wasser bis zu den Lichtschaltern. Die Schäden lagen laut Angaben einer ansässigen Bürgerinitiative zwischen 50.000 und 100.000 Euro pro Haushalt. Die wenigsten Anwohner waren durch eine Elementarschadenversicherung abgesichert. „Es ist ein existenzielles Gefühl für die Verletzlichkeit unseres Lebensraumes entstanden“, erklärte Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe mit Rückblick auf die Rekordflut. Eine solche Überschwemmung hatten weder Stadtverwaltung noch Anwohner bis dahin für möglich gehalten. Ganz im Gegenteil galt eine nicht vorhandene Hochwassergefahr lange Zeit als einer der großen Vorzüge in Münster.

Theoriestunde: So ist Starkregen definiert

DWD Unwetterwarnung StarkregenWir sprechen von Starkregen, aber was ist das überhaupt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) definiert Niederschlag als Starkregen, wenn innerhalb einer bestimmten Zeit sehr große Mengen Wasser zur Erde fallen. Natürlich sind diese Mengen abhängig von der Klimazone. In Deutschland sind das mehr als 5 Liter pro Quadratmeter in 5 Minuten, mehr als 10 Liter in 10 Minuten oder mehr als 17 Liter in einer Stunde. Warnungen spricht der DWD bereits ab einer Menge von 15 Litern pro Quadratmeter und Stunde oder 20 Liter innerhalb von sechs Stunden aus. Für den Normalbürger werden diese Warnungen dann auf den Wetterkarten sichtbar. Dort gibt es die Warnfarben Ocker (markantes Wetter/ ab 15 Liter pro Stunde und Quadratmeter oder 20 Liter in 6 Stunden), Rot (Unwetter/ ab 25 Liter pro Stunde und Quadratmeter oder 35 Liter in 6 Stunden) und Violett (extremes Unwetter/ ab 40 Liter pro Stunde und Quadratmeter oder 60 Liter in 6 Stunden).
Genug mit dem Zahlen-Wirrwarr. In Deutschland wird Starkregen vor allem in den Sommermonaten von Mai bis September dokumentiert, besonders häufig am späten Nachmittag. Nicht selten werden die Regengüsse dabei von Gewitter und Hagel begleitet.

Mehr Starkregen durch Klimawandel?

Die Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes belegen, dass extreme Unwetter wie Starkregen in Deutschland zugenommen haben. Ein Zusammenhang mit dem Klimawandel ist sehr wahrscheinlich, von Meteorologen aber noch nicht belegbar. Dafür sei laut Experten der Zeitraum der Wetteraufzeichnungen zu kurz. Entsprechende Geräte zur Datenerfassung wie Satelliten existieren einfach noch nicht lange genug.

Wir sind selbst schuld: Mehr Gefahr durch weniger Grünfläche

Wie so oft haben wir Menschen viele Probleme im Zusammenhang mit Starkregen selbst zu verantworten. Denn das erhöhte Schadenspotenzial von heftigen Niederschlägen liegt nicht zuletzt an der immer weiter fortschreitenden Oberflächenversiegelung durch „Pflaster- und Betonwüsten“. Das bedeutet: Wasser hat heutzutage viel weniger Fläche um im Erdboden zu versickern. Deshalb steigt der Hochwasserpegel bei Starkregen in Städten auch deutlich schneller als auf dem Land. Und die Abwasserkanäle sind für so große Wassermassen wie bei einem Starkregen einfach nicht ausgelegt. Natürlich hängt das Schadenspotenzial für ihr Eigentum auch davon ab, welche persönlichen Schutzmaßnahmen Sie getroffen haben. Wie Sie Ihr Eigenheim mit gezielten baulichen Maßnahmen effektiv gegen Überschwemmungsschäden schützen können, erkläre ich Ihnen im Beitrag „Damit Ihnen das Wasser nicht bis zum Hals steht“.

Experten sind sich jedenfalls einig, dass sich die steigende Bevölkerungsdichte und die daraus resultierende Flächenbebauung in Deutschland negativ auf das Gefahrenpotenzial von Starkregen auswirkt. Im Klartext heißt das: zunehmende Oberflächenversiegelung, gewässerformende Maßnahmen wie Flussverdolungen sowie ufernahe Bebauung zeugen davon, dass die Gefahr durch Überschwemmungen trotz jährlich millionenschwerer Schäden in den Köpfen der Deutschen noch nicht präsent genug ist.

Bedrohung für Leib und Leben: Die Sturzflut

Wenn Sie ganz großes Pech haben, dann droht Ihnen die größte Gefahr nicht durch den Starkregen selbst, sondern durch eine darauffolgende Sturzflut. Sturzfluten resultieren aus heftigen Regenfällen und können zu einer ernsten Bedrohung für Leib und Leben werden. Dabei wird zwischen Flachland- und Gebirgssturzfluten unterschieden. Gebirgssturzfluten erreichen durch das Gefälle in der Landschaft extrem schnelle Fließgeschwindigkeiten. Eine solche Sturzflut kann nicht nur Menschen mitreißen, sondern auch jede Menge Treibgut. Beim Aufprall auf Häuser in Fließrichtung kann eben dieses Treibgut verheerende Schäden anrichten. Sturzfluten können auch Gebiete erreichen, die vom eigentlichen Starkregenereignis gar nicht betroffen waren. Daher gilt: prinzipiell kann jede Siedlung in Deutschland durch die Auswirkungen von Starkregen betroffen sein.

Welche Ausmaße so eine Sturzflut annehmen kann, hat im Mai 2016 die Flut-Katastrophe in der kleinen Ortschaft Braunsbach (Baden-Württemberg) gezeigt. Einem Tsunami gleich riss eine durch Starkregen ausgelöste Schlammlawine auf ihrem Weg Autos, Bäume und Häuserfassaden mit sich. Es gleicht es einem Wunder, dass kein Mensch dabei ernsthaft verletzt wurde. Die Sachschäden in dem 900-Seelen-Ort nur durch diese eine Flut wurden auf über 100 Millionen Euro geschätzt.

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Quellen / Anmerkungen
  • Die unterschätzten Risiken „Starkregen“ und „Sturzfluten“, Handbuch des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, 2015
  • dwd.de, Website des Deutschen Wetterdienstes (DWD)
  • Braunsbach – ein Jahr nach der Flut Süddeutsche Zeitung
  • Starkregen Zeit.de
  • Video: Youtube